Die 20 besten Filme im Mai 2012

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Verblendung Filmkritik

11. Jan 2012
Bewertung der Filmkritik: 4 von 5 Sternen
Filmkritik von Josef Gruebl , LOVEFiLM
Verblendung

Der erste Gedanke ist: Wie konnten sie nur? Warum wurde der gerade einmal zwei Jahre alte (und ziemlich gelungene) schwedische Thriller ?Verblendung? noch einmal verfilmt?

Die Antwort ist so simpel wie einleuchtend: Weil Roman und Film einfach zu erfolgreich waren. Die „Millenium“-Trilogie des 2004 verstorbenen Autors Stieg Larsson wurde weltweit über fünfzig Millionen mal verkauft, die ursprünglich nur fürs Fernsehen gedachte Verfilmung lief weltweit mit großem Erfolg in den Kinos. Da aber speziell das amerikanische Publikum keine synchronisierten Filme akzeptiert (und untertitelte Fassungen nur in Filmkunsthäusern laufen), erwarb Hollywood die Remake-Rechte und legt mit dem düsteren Thriller Verblendung seine eigene, englischsprachige Version vor.

Und die kann sich – völlig unabhängig davon, ob man diese Neuverfilmung sinnvoll findet - absolut sehen lassen. Das liegt einerseits daran, dass sich auch das Remake nah an Stieg Larssons Buchvorlage hält. So ist es erstaunlich, dass der Stoff nicht (wie bei anderen Remakes üblich) „amerikanisiert“ wurde. Die Geschichte ist also nach wie vor in Schweden angesiedelt, dort hat Regisseur David Fincher auch gedreht. Womit wir beim zweiten Grund für das Gelingen des Films wären: Einen besseren Mann als Fincher hätten die Produzenten nicht finden können. Der Regisseur von Kinohits wie Sieben, Fight Club oder The Social Network ist einer der besten Regisseure unserer Zeit – und wie geschaffen für tiefgründige Thriller.

„Männer, die Frauen hassen“: So lautet der Originaltitel des Romans von Larsson, er beschreibt eine verkommene, frauenfeindliche Gesellschaft und zerstört damit unsere von Pippi, ABBA und Ikea geprägte Heile-Welt-Vorstellung von Schweden. Daniel Craig spielt den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der für das Stockholmer Politmagazin „Millenium“ schreibt. Gleich zu Beginn des Films steht Blomkvist vor Gericht: Bei seinen Ermittlungen gegen den kriminellen Unternehmer Wennerström (gespielt vom schwedischen Schauspieler Ulf Friberg) ist er auf gefälschte Beweise hereingefallen. Er wird wegen Verleumdung zu einer Haftstrafe verurteilt, die er allerdings nicht sofort antreten muss.

Auftritt Lisbeth Salander (Rooney Mara): Die ebenso geniale wie verstörte Hackerin wird von einem Rechtsanwalt beauftragt, Blomkvists Vergangenheit zu überprüfen. Auftraggeber ist der 82-jährige Henrik Vanger (Christopher Plummer), Patron einer einflussreichen Unternehmerfamilie. Vanger sucht einen vertrauenswürdigen Journalisten, der für ihn in einer Familienangelegenheit forschen soll: Vor vierzig Jahren verschwand Vangers Lieblingsnichte Harriet, seitdem sucht die Polizei vergeblich nach ihr. Der alte Mann ist überzeugt davon, dass das junge Mädchen im Spätsommer 1966 umgebracht wurde – auch wenn er jedes Jahr zu seinem Geburtstag anonym eine gepresste Blume zugeschickt bekommt. Dieses Geschenk machte ihm Harriet immer als Kind..

Rooney Mara

Mikael Blomkvist geht auf Vangers Angebot ein und zieht auf dessen Privatinsel im Norden Schwedens. Dort lernt er die anderen Mitglieder des verfeindeten Clans (u.a. Stellan Skarsgård, Joely Richardson) kennen, braucht aber schon bald Hilfe. Und so kommt es nach etwa einer Filmstunde zur ersten Begegnung von ihm und Lisbeth Salander: Die punkige junge Frau wird seine Assistentin. Gemeinsam kommen sie einem abgrundtief perversen Verbrechen auf die Spur. Was es aber mit Lisbeths Vergangenheit (sie steht wegen psychischer Probleme unter Vormundschaft) auf sich hat, erfährt der Zuschauer erst im zweiten Teil der Millenium-Trilogie. Wer die schwedischen Verfilmungen mit Michael Nyqvist und Noomi Rapace gesehen hat, weiß natürlich schon, wie es weitergeht. Alle anderen dürfen sich auf ein Thriller-Highlight der Extraklasse freuen.

Sind Daniel Craig und Ronney Mara besser als ihre Vorgänger? Das wird mit Sicherheit Gegenstand hitziger Diskussionen werden.

Angesichts des sehr viel höheren Budgets ist es keine Überraschung, dass Finchers Version in Sachen Bildgestaltung und Soundtrack (inklusive einer genialen Coverversion von Led Zeppelins „Immigrant Song“) aufregender ist. Davon abgesehen, erzählt er aber auch einige Details logischer und konsequenter. So weicht das Ende deutlich von der ersten Verfilmung ab, das Verhältnis von Mikael und Lisbeth wird in ein völlig neues Licht gestellt. Und Daniel Craig und Rooney Mara? Machen ihre Sache wunderbar – ob sie nun besser oder schlechter als die „Originale“ sind, wird Gegenstand hitziger Diskussionen sein. Über ein Wiedersehen mit den beiden würden wir uns jedenfalls freuen. Die Chancen stehen nicht schlecht: Auch der zweite (Verdammnis) und der dritte Teil (Vergebung) von Larssons Trilogie soll neu verfilmt werden.

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