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Der Gott des Gemetzels Filmkritik

21. Nov 2011
Bewertung der Filmkritik: 4 von 5 Sternen
Filmkritik von Josef Gruebl , LOVEFiLM
Der Gott des Gemetzels

Eine Wohnung, zwei prügelnde Kinder, vier hysterische Erwachsene: Mehr braucht Roman Polanski nicht, um seine Extraklasse einmal mehr unter Beweis zu stellen.

Der Weltklasse-Regisseur machte in letzter Zeit vor allem mit Privatangelegenheiten Schlagzeilen, so wurde er 2009 bei einer Zürich-Reise wegen einer dreißig Jahre zurückliegenden Vergewaltigungsklage verhaftet und für Monate weggesperrt. Doch Roman Polanski hat schon mehrfach bewiesen, dass er aus privaten Katastrophen künstlerische Kräfte entwickeln kann: Er nutzte die Zeit im Schweizer Hausarrest, um ein erfolgreiches Theaterstück von Yasmina Reza in ein Drehbuch umzuwandeln. Wenn ich schon nicht raus darf, so dachte er vermutlich, dürfen es meine Figuren auch nicht. So spielt Der Gott des Gemetzels dann auch ausschließlich in einer Wohnung.

Darsteller

Bewohnt wird dieses New Yorker Appartement (gedreht wurde allerdings in Polanskis Wahlheimat Paris) von einem gutsituierten Ehepaar, dessen Sohn bei einer Spielplatz-Schlägerei von einem anderen Jungen vermöbelt wurde. Jodie Foster spielt die Hausherrin Penelope Longstreet; sie lädt die Eltern des „verfeindeten“ Jungen ein, um die Versöhnung der Streithähne vorzubereiten. Doch während des Besuchs entpuppt sich die überengagierte Buchhändlerin Penelope, die nebenbei ein Buch über das Leid der Menschen in Afrika schreibt, als fiese Zicke. Der Film, so die glänzend aufgelegte Oscar-Preisträgerin im Interview, „ist eine Gesellschaftskomödie, die zeigt, wie Leute ihre gute Kinderstube vergessen.“

Penelopes Ehemann Michael wird gespielt vom fabelhaften John C. Reilly, der für seine Nebenrolle in Chicago für einen Oscar nominiert wurde und der zuletzt mit Filmen wie Cyrus oder Stiefbrüder sein komisches Talent unter Beweis stellte. Michael Longstreet ist ein gemütlicher Brummbär, der für jede Lebenslage einen passenden Spruch parat hat. Sein Geld verdient er mit einer Eisenwarenhandlung, als Reaktion auf die hysterischen Ausfälle seiner Gattin schenkt er sich erst mal ein schönes Glas Scotch ein. Er ist gutmütig und will den Streit schlichten – bis er irgendwann explodiert. „Ich bin ein total cholerischer Bastard“, bricht es aus ihm heraus. Da scheint sich lange Zeit etwas in ihm aufgestaut zu haben…

Der Gott des Gemetzels

Auslöser für Michaels Wutausbruch sind natürlich seine Gäste, die Eltern des kindlichen Schlägers. Kate Winslet beschreibt die von ihr gespielte Investmentbankerin Nancy Cowan als „extrem gestresste Mutter, die sich ständig schuldig fühlt, weil ihr die Arbeit nicht genug Zeit für ihr Kind lässt.“ Das hält sie aber keinesfalls davor ab, den anderen Anwesenden Vorträge über Mutterpflichten zu halten… Auch sie wird im Laufe des Treffens die Fassade der kunstliebenden Supermama fallen lassen – auch deshalb, weil sich der Kuchen der Gastgeber nicht ganz mit ihrem Magen verträgt. So brüllt sie, als ohnehin schon alles zu spät ist: „Ich bin froh, dass unser Sohn Ihrem Sohn eine reingehauen hat!“ Jawoll!

Fehlt noch der Vierte im Bunde: Deutschlands Oscar-Stolz Christoph Waltz gibt den Mann von Winslets Figur, als dauertelefonierender Rechtsanwalt Alan Cowan strapaziert er nicht nur die Nerven seiner Frau. Irgendwann landet sein Handy in der Blumenvase der Gastgeber, erst dann entgleiten dem dauergrinsenden Zyniker die Gesichtszüge. Für Waltz ging mit dieser Rolle ein Traum in Erfüllung: Einmal mit Polanski drehen! Wer hätte noch vor drei Jahren (also vor Inglourious Basterds) gedacht, dass ein deutscher TV-Schauspieler einmal mit einem der besten Regisseure unserer Zeit zusammen arbeiten würde? „Ich glaube an den Gott des Gemetzels“, meint er dann auch einmal gegen Ende des Films.

Ich bin froh, dass unser Sohn Ihrem Sohn eine reingehauen hat, meint Kate Winslet

Auch wir glauben an den Gott des Gemetzels: Polanski und seinen vier fabelhaften Schauspielern ist eine intelligente, bissige und äußerst amüsante Gesellschaftssatire gelungen, in der sich viele Zuschauer mehr oder weniger selbst erkennen dürften. Nach dem sehr viel ernsteren Der Tod und das Mädchen aus dem Jahr 1994 beweist der Regisseur wieder einmal, dass er aus einem Kammerspiel großes Kino machen kann. Sein Film hat nichts von einem abgefilmten Bühnenstück, die Beschränktheit von Raum und Zeit vergisst man als Zuschauer schnell. Polanski hat mit seinen vier Stars viel geprobt, das Ergebnis kann sich sehen lassen: So gut hat man die vier Schauspielgiganten Foster, Reilly, Winslet und Waltz selten gesehen.

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