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Das Leben gehört uns Filmkritik

30. Apr 2012
Bewertung der Filmkritik: 5 von 5 Sternen
Filmkritik von Josef Gruebl , LOVEFiLM
Das Leben gehört uns

Wenn Alain Delon keine Filme mehr dreht, Isabelle Adjani in Fernsehserien spielt und Gérard Depardieu mit Pinkelspielen im Flieger von sich reden macht,

dann muss die Rettung des französischen Kinos wohl von zwei jungen Talenten kommen: Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm sind seit den neunziger Jahren als Schauspieler tätig, bislang waren sie vor allem im französischen Fernsehen und in kleineren Kinofilmen zu sehen. So machten sie sich in ihrer Heimat einen Namen, außerhalb Frankreichs kennt man die beiden bislang kaum. Das dürfte sich mit ihrem gemeinsamen Films Das Leben gehört uns ändern: Die beiden spielen nicht nur die Hauptrollen, sondern schrieben auch gemeinsam das Drehbuch, Donzelli führte auch noch Regie.

Wieso sie sich diese Doppel- bzw. Dreifachbelastung angetan haben? Ganz einfach, weil es zu großen Teilen ihre eigene Geschichte ist, die sie erzählen. Die beiden lernten sich kennen, verliebten sich und bekamen kurze Zeit später einen Sohn. Doch der kleine Gabriel Elkaïm war von Geburt an ein kränkliches Kind: Irgendwann stellten die Ärzte einen Tumor im Kopf des Kleinen fest, die Heilungschancen tendierten gegen Null. Es begann ein jahrelanger Behandlungsmarathon, der auch Folgen für die Beziehung des Paares hatte: Die beiden trennten sich nach einigen nervenzerreibenden Jahren, das Wohl ihres Kindes ließen sie aber nie außer Augen. Und dann geschah das Wunder: Gabriel wurde gesund…

 

Eine schöne, zu Herzen gehende Geschichte, keine Frage. Aber lässt sich so etwas auch verfilmen? Das Leben gehört uns hätte leicht eine unangebrachte Entblößung intimer Ereignisse werden können, eine Zurschaustellung des eigenen Leides und des genesenen Kindes. Zumal sich Donzelli und Elkaïm recht nah an die wahren Ereignisse hielten: Die Krankenhausszenen wurden in derselben Klinik gedreht, in der auch ihr Sohn lag, einige der Filmärzte sind keine Schauspieler sondern die behandelnden Ärzte von damals. Auch der kleine Gabriel Elkaïm wurde verpflichtet: Der Film ist in langen Rückblenden erzählt, in der Gegenwart spielt der heute Achtjährige quasi sich selbst.

Das Leben gehört uns

 

Das hätte wie gesagt alles furchtbar ins Auge gehen können. Doch das Gegenteil trat ein: Als der Film 2011 auf dem Festival in Cannes uraufgeführt wurde, war die Begeisterung groß. Die für wenig Geld und zum größten Teil mit einer Fotokamera gedrehte Produktion lief mit beachtlichem Erfolg in den französischen Kinos und wurde weltweit verkauft. Sie lief auf unzähligen Festivals und kam in Ländern wie Australien, Schweden, Ungarn, Portugal oder den USA in die Kinos. Anfang 2012 wurde der Film für sechs Césars nominiert, zusätzlich war er Frankreichs offizieller Oscar-Kandidat 2012. Damit setzte er sich gegen weitaus größere und prominentere Produktionen wie Poliezei oder Ziemlich beste Freunde durch.

Als sich Romèo und Juliette einander vorstellen, fragt er: Erwartet uns ein schreckliches Schicksal?

Im Film lernen sich die beiden in einer Disco kennen. Als er sich ihr als „Roméo“ vorstellt, erwidert sie: „Machst Du Witze? Ich heiße Juliette.“ Daraufhin er: „Erwartet uns also ein schreckliches Schicksal?“ Als Zuschauer weiß man zu dem Zeitpunkt schon, dass seine Sorge berechtigt ist: Der Film beginnt in der Gegenwart bei einer Nachsorgeuntersuchung – dass der Kleine (der im Film Adam heißt) überleben wird, steht also von Anfang an fest. „Würde man Adams Heilung zum Gegenstand der Spannung machen, nähme man den Zuschauer in Geiselhaft“, erklärt die Regisseurin im Interview. Das hätte sie aber nicht gewollt, schließlich solle sich das Publikum darauf konzentrieren, was auf dem Weg dahin passiert.

Es gab in den letzten Jahren viele Filme über Krebs: Mal waren sie tragikomisch (Das Beste kommt zum Schluss), mal nur tragisch (Halt auf freier Strecke). So erfrischend anders wie Das Leben gehört uns war aber keiner von ihnen. Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm haben mit ihren unkonventionell erzählten Film viel gewagt und noch mehr gewonnen: Mal wirkt er mit seinen Parallelen zur Realität halbdokumentarisch, dann wieder wie ein überbordendes Filmmärchen. Mal zitieren sie Truffaut und die Klassiker der Nouvelle Vague, dann wieder singen sie Chansons. Die Bilderfolgen sind rasant, die Erzählerstimmen wechseln sich ab, die Regieeinfälle sind spielerisch. Ein überbordender Film voller Lebensfreude, liebenswert, charmant und unbedingt sehenswert. 

Filmkritik von Josef Grübl für LOVEFiLM

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LOVEFiLM Kritik Das Leben gehört uns

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Beste Kritik Das Leben gehört uns

  • Bei diesem Film Gänsehaut!

    Bewertung - 4.5 Sternen  
    Nach ein mitglied , 07. Nov 2012

    [Hoch bewerteter Kritikenschreiber]

    Ein überzeugender Film für alle, die Ähnliches erlebt haben und um die Bedeutung eines kranken Kindes wissen. Andere Machart, aber sehr empfehlenswert.
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Alle Kritiken

(6)
  • Bewegendes Lebensdrama

    Bewertung - 4.5 Sternen  
    Nach SMily1199 (644 Kritiken) aus Pirna , 08. Apr 2013

    [Hoch bewerteter Kritikenschreiber]

    Die beiden Hauptdarsteller Valérie Donzelli und Jérémie Elkaim waren selber mal ein Paar und erzählen ihre eigene Geschichte mit ihrem Sohn nach, der am Ende des Filmes selbst kurz auftaucht. Sie sind auch für das Drehbuch verantwortlich und Valérie hat Regie geführt. So ist ein umfassend realistisch wirkendes Werk entstanden, dann manchmal fast dokumentarische Züge aufweist. Der romantischen Phase der Beziehung von Romeo und Juliette wird wenig Platz im Film gelassen, es wird quasi durchgehechelt. Der Fokus liegt eindeutig auf den dramatischen Elementen, eine Auseinandersetzung mit Krankheit und möglichem Tod. Trotzdem gibt es auch immer wieder komische Einlagen, die mitunter aber ziemlich rabenschwarzen Humor, sozusagen Galgenhumor verkörpern. Man leidet mit den beiden jungen Leuten mit und fiebert auf ein gutes Ende hin. Fazit: Sicherlich kein Feel-Good-Movie, aber authentisch und sehenswert.
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  • sensibles Filmwerk

    Bewertung - 4.5 Sternen  
    Nach Scharfmacher (2 Kritiken) , 11. Feb 2013
    angenehme Alternative zum Hollywood-Kino uns hat der Film sehr berührt und die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller war sehr gut die Spannungsbögen gilt es auszuhalten
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  • Filmgenuss mit Vorspultaste

    Bewertung - 2.0 Sternen  
    Nach Mosinew (1 Kritik) , 13. Dez 2012
    Vorab muss ich erwähnen, dass ich diese Art von Filmen liebe - Filme die zum Nachdenken anregen und besonders die französischen Filme haben es mir angetan.

    Sowohl der Titel, als auch das Thema haben hier mein Interesse geweckt. Die Hauptdarsteller haben mir sehr gut gefallen.

    Der Film ist anfangs wirklich mitreißend und flaut dann, meiner Meinung nach, immer weiter ab.

    Es gibt ein paar sehr berührende, emotionale Szenen, die mich daran gehindert haben, den Film auszuschalten.

    Dazwischen wird wenig Inhalt weit ausgewalzt, sodass ich tatsächlich auf den Vorspulknopf drücken musste - etwas, was sonst sehr selten passiert!

    Im krassen Gegensatz dazu werden ab und zu wichtige Sachen kurz und knapp von einem Erzähler zusammengefasst.

    Als ich mir jetzt im Nachhinein oben noch mal die Inhaltsangabe durchgelesen habe, musste ich leider nüchtern feststellen: genau so war es. Nicht mehr und nicht weniger Inhalt. Schade.
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  • Bei diesem Film Gänsehaut!

    Bewertung - 4.5 Sternen  
    Nach ein mitglied , 07. Nov 2012

    [Hoch bewerteter Kritikenschreiber]

    Ein überzeugender Film für alle, die Ähnliches erlebt haben und um die Bedeutung eines kranken Kindes wissen. Andere Machart, aber sehr empfehlenswert.
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  • Nicht überzeugend

    Bewertung - 2.5 Sternen  
    Nach ein mitglied , 04. Nov 2012
    Auch wenn der Film sehr berührend und aufwühlend 'den Wahnsinn des Lebens' zeigt, hat er mich nicht überzeugt. Das lag vermutlich auch an der gewöhnungsbedürftigen Kameraführung und den teilweise sehr abrupten Übergängen von Krankenhaus- zu Partyszenen. Auch wenn es für die Thematik des Films angemessen ist, fand ich es anstrengend, den teilweise sehr leisen Gesprächen zu folgen.
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