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Kürzliche Kritiken

Schmerzhafter Seelenstriptease , 25. August 2008
  • The Brown Bunny auf DVD (2003)
    Darsteller: Vincent Gallo,  Chloë Sevigny,  Cheryl Tiegs
    Regisseur: Vincent Gallo
    FSK: 16
    Vincent Gallos zweiter Spielfilm 'The Brown Bunny' ist mit Sicherheit ein Film, den man am besten allein schauen sollte. Lässt man sich dann allerdings wirklich auf ihn ein wird man mit einem der aufrichtigsten und mutigsten Porträts einer vollkommen zerstörten und orientierungslosen Männerseele belohnt.

    'The Brown Bunny' ist ein langsamer Film. Ein sehr langsamer. Unzählige durch die dreckige Windschutzscheibe eines Kleintransporters gefilmte Autofahrten über amerikanische Highways wechseln sich ab mit Episoden in denen der Fahrer dieses Transporters, Gallo alias Bud Clay, scheinbar ebenso einsamen Frauen begegnet. An Tankstellen, Raststätten, auf dem Straßenstrich. Bei diesen Aufeinandertreffen wird klar, das Bud Clay ein Problem hat. Man merkt, dass dieser Mann am Ende ist, dass ihm etwas genommen wurde. Endgültig. Seine Blicke sind leer, seine Haltung, seine Gebärden, sein gesamtes Auftreten zeugen von einer unbeschreiblich tief sitzenden Verzweiflung. Aber dennoch ist dieser Mann auf der Suche. Er scheint sich an eine dünne Hoffnung zu klammern seine Seele doch noch zu retten. Er ist rastlos wie leblos.

    Der Film erzählt die Geschichte Bud Clays zu Ende. Dieses letzte Kapitel, dem der Film seine notorische Berühmtheit schuldet, ist ein klassischer Erzählkniff, ein Twist. Das Geheimnis um Bud Clay wird gelüftet. Solche narrativen Tricks sind immer heikel, läuft ein Film doch Gefahr durch derartig manipulative Spielereien mit dem zwangsläufigen Aha-Effekt seine emotionale Essenz zu unterminieren. Doch 'The Brown Bunny' kommt damit davon. So einfach ist das. Dieser Film atmet aus jeder Pore stille Verzweiflung und lethargische Trauer. Er ist bis zuletzt authentisch und hat es gar nicht nötig sein Publikum an der Nase herumzuführen um es am Ende gegen eine Wand laufen zu lassen. Nein, die Resolution in 'The Brown Bunny' ist einer der seltenen Fälle, in denen der Twist kein bloßes oberflächliches Zusammenführen aller Erzählfäden ist, kein Deus Ex Machina Rettungsanker, der einen eigentlich banalen Film mit einer 'wie tiefgründig!' Duftmarke versieht. Dieser Twist dient in höchstem Maße der Kunst, gibt er dem Darsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Produzenten Gallo doch die Möglichkeit sein innerstes nach außen zu kehren. Dies geschieht auf eine derart entwaffnend ehrliche Art und Weise, dass man nur seinen Hut ziehen kann vor diesem als Chauvinist, Rassist und Zyniker beschimpften Mann.

    Die Tatsache, dass Gallo 'The Brown Bunny' praktisch im Alleingang gefertigt hat lässt erahnen, wie viel ihm an diesem Film gelegen haben mag. Und wenn er meint einen Blowjob in all seiner Pracht explizit auf die Leinwand bringen zu müssen um seinen Standpunkt klar zu machen, dann soll ihn die Welt verdammt noch mal lassen. Wer denkt, dieser Film sei sein sensationsgieriges, anzügliches Machwerk hat rein gar nichts verstanden.

    Technisch grandios wie unspektakulär handelt es sich bei 'The Brown Bunny' vielleicht um einen der intimsten, ehrlichsten und emotionalsten Filme über Schuld und Männlichkeit überhaupt. Er entfaltet seine lähmende, nahezu erdrückende Stimmung vorsichtig und subtil, stets mit dem größten Respekt für seine Figuren und den Zuschauer und lässt einen - wenn man dem Film die nötige Zeit und Aufmerksamkeit gibt - nicht so schnell wieder los. Ein Meisterwerk? Gut möglich.   1 von 1 Mitglied findet diese Kritik hilfreich.
    2.5 von 5 Sternen 53% von 213 Mitgliedern
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