Mitgliederkritik
Nach ein mitglied
aus DE
, 19. Jul 2008
[Hoch bewerteter Kritikenschreiber]
Ich habe den Oscar-nominierten Film 'Water' (2005) einmal auf Hindi mit deutschen Untertiteln und einmal auf deutsch gesehen. Die Synchronisation ist ziemlich gut. Der optische Eindruck (Kamera Giles Nuttgens) des Films ist sehr gut, die Story (Deepa Mehta) enthält wichtige Themen und ist bewegend, die Regie (Deepa Mehta) tadellos. Die Musik (Score Mychael Danna, Songs A.R. Rahman, keine Tänze) ist gut und nur zurückhaltend als Filmuntermalung eingesetzt.
Trotz des oberflächlich guten Eindrucks: was letztendlich bei mir bleibt ist der Eindruck von "l'art pour l'art". Es ist ein "arthouse movie", das nur die erreicht, die feministisches Gedankengut schon verinnerlicht haben. Diejenigen, die es eigentlich angeht - konservative Hindus - werden diesen Film niemals ansehen. Ich denke, Bollywood-Filme wie 'Deewana' (1992 Raj Kanwar) mit der positiven Darstellung einer Witwenheirat können mehr für die hinduistischen Witwen leisten als dieser Film, der weitaus ambitionierter, anklagender und deprimierender ist. Von Frauen-Power habe ich nicht viel gespürt, dafür sind diese Frauen viel zu sehr religiös und kulturell konditioniert. Man könnte eher von Kinder-Power sprechen, wenn das Mädchen Chuyia weniger machtlos wäre.
Beim zweiten Ansehen dieser kanadisch-indischen Produktion ging es mir nicht wie sonst öfters bei indischen Filmen, daß mir der Film besser gefällt und ich Neues entdecke, nein, mir fiel beim zweiten Mal erst richtig auf, wie konstruiert die Story ist (was ja eigentlich an sich nicht schlecht ist, aber bei realistisch aufgemachten Filmen oft den Eindruck des realen Lebens zunichte macht) und wie wenig Mut die Story macht. Dies ist ein eher den westlichen Geschmack treffendes Werk für Cineasten. Mehr noch, beim zweiten Mal fiel mir erst so richtig auf, wie gezwungen Lisa Ray spielt und wie wenig John Abraham schauspielerisch zu bieten hat. Beide wirken so zahm wie kleine Schoßhündchen. Dabei hätte das Schicksal hinduistischer Witwen sicherlich einen stärkeren Einsatz besserer Schauspieler verdient. Für den Rest dieses Absatzes gilt Spoiler-Alarm: Damit fällt das Liebespaar als treibende Kraft der Veränderung aus, die kleine Kinderwitwe wird zerbrochen von den Verhältnissen, unter denen die Witwen leben müssen, und ihre Retterin bleibt voller Selbstzweifel zurück. Wahrlich deprimierend. Am Ende muß man sich als Zuschauer selbst daran machen, aus den letzten Bildern hoffnungsvolle Entwicklungen zu konstruieren.
Die vier Sterne bekommt der Film von mir für die Bilder, das behandelte Thema und das Schauspieler-Ensemble der Witwen-Darstellerinnen (wovon ich Lisa Ray ausnehme, obwohl diese für ihre Darstellung der Kalyani den "Vancouver Film Critics Circle"-Award für "Best Actress - Canadian Film" erhalten hat), für mich war die beste Darstellerin die kleine Sarala, die die Kinder-Witwe Chuyia verkörperte.
DVD: Universum Film, Laufzeit 112 Min., Bildverhältnis 2.35:1, Deutsch DD 5.1, Hindi DD 5.1, UT Deutsch für Hörgeschädigte, 13 Kapitel, Extras: Kurzfilme in Englisch ohne Untertitel, teils Hindi mit englischen UT ("Behind the Scenes" (21 Min.), "Shutdown - die Kontroverse" (4 Min.), "Interview mit Deepa Mehta" (29 Min.)), Kinotrailer 'Water' (2 Min.), weitere 6 Trailer, FSK 12
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