Mitgliederkritik
The Man Who Wasn't There Kritik
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19. Juli 2008
Ein Film noir ist das ganz sicherlich, aber er erschöpft sich nicht im womöglich spaßigen Kopieren der Vorbilder. Dies ist ein hochmoderner Film, der mit Dingen operiert, die 1949 (dem Jahr, in dem er spielt) gerade erst auf dem kulturell-philosophischen Radarschirm auftauchten und noch nicht recht verstanden wurden. Der Knackpunkt sind die Verweise des Films auf die Quantenmechanik und Heisenbergs Unschärferelation, deren Implikationen hier an einem individuellen Fall philosophisch durchgespielt werden. Die "einfache" Schwarzweiß-Gestaltung steht genauso im Kontrast zu den komplizierten Abläufen des menschlichen Lebens wie der täuschende Minimalismus des Protagonisten. Nichts hieran ist einfach, alles doppelbödig, von Zufällen gesteuert, von menschlichen Verwicklungen, von Gängen durchs Labyrinth. Wenn man das erstmal durchschaut hat, herrscht nur noch Gelassenheit. Ed Cranes Schlußmonolog, eingebettet in eine Traumsequenz, faßt das großartig zusammen. Ein wunderschöner, dunkler, letztlich seltsam hoffnungsvoller Film, vielleicht der reifste der Coen-Brüder.

