Ein zeitloses Meisterwerk
Nach Avedus
(7 Kritiken)
, 20. Jan 2013
SPOILERWARNUNG
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Vorab: Wer etwas nicht versteht, sollte sich mit Kritik besser zurückhalten. Die meist negativen Bewertungen gerade der Kritiker in den Massenmedien (z. B. im Spiegel) sind aus dem intellektuellen Blickwinkel geschrieben worden - aber nur mit dem Verstand lässt sich dieses Kunstwerk nicht begreifen. Diese Leute hätten erst mal einen Meditationskurs gebraucht, um auch nur leise zu erahnen, dass diese zeitlose Filmkunst in für sie bisher unerreichten geistigen Höhen schwebt. Dem Filmemacher gelingt es hier jedoch tatsächlich, das Drama des Lebens und des Todes aus hochspiritueller Sicht in Bilder und sogar in eine Handlung umzusetzen, die tief in die Seele dringt und lange nachwirkt - sofern ein dem entsprechendes Seelenfenster im Betrachter offen ist. Für mich persönlich beantwortet der ernste, melancholische Film gleich mehrere existentielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Todes: Wir Seelen leben hier in einem dualen Universum, das von Gegensätzen bestimmt ist: Hoch - Tief, Krieg - Frieden, Liebe - Angst, Leben - Tod. Sich dagegen egozentrisch zur Wehr zu setzen entspricht der postmodernen Welt des geistigen Flachlandes, z. B. indem wir versuchen, den Tod zu besiegen, das Alter zu verstecken, die Angst zu negieren, der Illusion von ewigem Frieden aufgesessen zu sein usw. usf. Alle tief gehenden, ernsthaften spirituellen Lehren sagen uns aber schon seit tausenden von Jahren, dass diese Anmaßung vergeblich ist, und dass wir uns damit selbst aus dem Paradies vertreiben (z. B. ist das der Hintergrund der biblischen Geschichte vom Baum der Erkenntnis). Im Film ist es nicht Eva, sondern Adam, der sich von der Schlange verführen lässt und glaubt, durch Erkenntnis den Tod besiegen zu können. Die Lösung ist, dieses unsinnige Anliegen - und damit sein Ego - aufzugeben und eins zu werden mit dem Fluß des Lebens - übrigens auch 100%ig kompatibel zu der fernöstlichen Lehre des Tantra, der Hingabe an das Leben so, wie es tatsächlich ist. Am Höhepunkt dieser Erkenntnis ist der Protagonist in der Lage, nicht dem anmaßenden Verstand, sondern der Liebe die Führung zu überlassen - und eben nicht seinen egoistischen Wunsch weiter zu verfolgen, seine Liebste am Sterben zu hindern, sondern in Liebe für SIE da zu sein und ihrem Wunsch zu entsprechen, sie in den Tod zu begleiten. Hier haben wir die Antwort auf alle Fragen: Wenn wir nach den zahllosen Irrungen des Verstandes endlich der Liebe die Führung auf ALLEN Ebenen anvertrauen (und das ist hochaktuell), dann können wir aus dem Rad der ewigen Wiedergeburten in der Dualität aussteigen und wirklich sterben - was da stirbt, ist aber nicht unbedingt der ganze Mensch, sondern vor allem sein Ego. In dem Moment gehen wir ins Licht und sind erleuchtet - man könnte modern auch erleichtert dazu sagen, denn gemeint ist die Erleichterung von uns selbst, von unseren egozentrischen Wünschen und Anmaßungen. Das ist dann die viel gesuchte Erlösung und lehrt uns Demut. Ohne diesen Charakterzug geht es nämlich nicht. Übrigens ist genau dies auch die Botschaft aller großen Religionen - nur wird sie leider nur noch von wenigen Menschen wirklich gehört, geschweige denn verstanden. Und wenn wir ganz ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann ist es genau das, was wir uns alle ganz tief wünschen. Dies wird im Film von Izzy dargestellt. Sie wünscht sich nämlich nicht einen Halbgott an ihrer Seite, sondern einen selbstlosen, wirklich liebenden Mann. Ganz ganz einfach. Manche sagen banal. Aber wer davon nicht berührt ist, der sollte mal zum Arzt gehen. Nun gut, diese Botschaft mag im Film ganz schön arg verborgen und verschlüsselt sein, aber - Hand aufs Herz - wer vermag sogleich den Sinn des Fettstuhls von Joseph Beuys zu erkennen? Aber wenn der Groschen dann einmal gefallen ist - dann vergisst man die Erkenntnis niemals wieder. Das ist der Sinn der Märchen und auch der Hintergrund, die Botschaft in diesem Film zu verschlüsseln. Man steht hier zunächst vor einem wunderschönen, goldenen Rätsel - und meine Lösung ist sicher nicht die einzig gültige. Wenn das filmische Kunstwerk 'The Fountain' zu diesen tiefen Lebensfragen Anregungen liefert, dann hat sich die ganze Mühe des Filme machens doch gelohnt - oder nicht? Also, ich finde, das leistet der Film - in einer außergewöhnlichen, wunderbaren Art und Weise. Leider wird in dieser Zeit gern auf das Wahre, Gute und Schöne geschissen und Spiegel-Kritiker loben lieber Zynismen oder Veralberungen. Eine schöne neue Welt eben.
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