Mitgliederkritik
Nach ein mitglied
aus DE
, 19. Jul 2008
[Hoch bewerteter Kritikenschreiber]
VORWORT:
Ich war nie ein Fan von Western. Ob John Wayne, Roy Rogers oder Gary Cooper.
Im Prinzip immer dieselben Klischees von Revolverhelden die sich in verlassen Städtchen gegenüber stehen während alle anderen Menschen versteckt in den Häusern und Saloons warten bis der entscheidene Schuss fällt.
Nur zwei Western sind für mich Beweis dafür das man Filme dieser Art auch zu etwas besonderem machen kann. Zum einen der Spät-Western "Der mit dem Wolf tanzt" und zum anderen ein Film der seiner Zeit um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vorraus war - "Spiel mir das Lied vom Tod".
Sergio Leone hat etwas erschaffen das die Zeit überdauern wird und ewig als DAS Meisterwerk schlechthin angepriesen werden wird - und dies völlig zu Recht.
Ich bin ein großer Fan von Quentin Tarantino, von dem man ja weiß das er Filmliebhaber ist der verschiedene Genres zu etwas neuem vermengt. Schaut man sich nun die Machart von Leones Kultfilm an so sieht man mehr als deutlich gewisse Parallelen zu Tarantinos Filmideen.
KAMERA:
Allein die Kameraführung die Leone hier koordinierte ist gewaltig. Gerade wenn am Anfang die drei Killer auf den Zug warten in dem sich ihr Boss Frank befinden soll ist die Sequenz, obwohl ohne Dialoge, so fesselt und Einzigartig inszeniert das man die Bedrohung der Jungs fast fühlen kann.
Ebenso ist es ein Novum wie die Eröffnungscredits gemacht wurden. Als der Kartenverkäufer eingesperrt wird und mit dem schließen der Tür der erste Schriftzug der Credits erscheint.
Danach der erste Auftritt von Charles Bronson als "Mundharmonika" wie es cooler nicht geht. Die ersten, seiner Dialoge, sind mit das Beste was er im ganzen Film sagt. Auf die Ansage von einem der Revolvertypen sagt MK die Kerle hätten ein Pferd zuviel, was zum ersten Duell führt.
Selbstverständlich gibt es auch in SMDLVT viele Pistolengefechte doch diese haben eine ganz andere Atmosphäre als die üblichen 08/15- Schiessereien ala Dodge City. Hinzu kommen natürlich noch die extremen, und für das Jahr 1968 revolutionären Nahaufnahmen der Gesichter sowie die "Strichmännchen"-Szene die verschwommen die Wahrheit über MKs Vergangenheit andeutet.
MUSIK:
Ennio Morricone schrieb für den Film einen Script der schon allein durch "Franks Theme", die legendäre Mundharmonika-Melodie, eine Art Kultstatus erlangte. Schaurig schöne Klänge die uns, das Publikum, beim sterben verschiedenster Menschen Anteil nehmen lassen.
Ob bei Bronsons Vorstellung, dem brutalen Mord an der Familie McBain oder dem grausamen Ende von Bronsons Bruder (es war nicht sein Vater!).
STORY:
Die Geschichte ist hinlänglich bekannt. MK hilft der Witwe McBain, zusammen mit Chayenne (Jason Robards) aus der Patsche da sie von Killer Frank bedroht wird. Nebenbei sei erwähnt das Claudia Cardinale eine Klasse Figur abgibt indem sie einerseits die trauernde Witwe, andererseits jedoch den resoluten Trotzkopf verkörpert der sich nicht so einfach vertreiben lässt...
FAZIT:
Zu Unrecht wird dieser Film als "Pferdeoper" verspottet. Erwiesen ist zwar das es in diesem, 2 1/2 stündigen Film sehr wenige Dialoge, dafür doppelt so viel Musik zu hören gibt aber dennoch verbinde ich mit dem Wort Oper eher Langeweile. Dieser Film ist jedoch alles andere als langweilig. Er besticht durch ausgefallenen Ideenreichtum der bis heute nichts von seiner Qualität eingebüßt hat.
Ich empfehle diesen Film vorallem der "neueren" Generation von Filmzuschauern die, wie ich, eher mit 80er-Jahre Filmen aufgewachsen sind und Interesse an modernen, innovativen Filmen, wie "Pulp Fiction" oder "Kill Bill" haben. Wer einen brillanten, coolen Western sehen will und dazu noch erfahren will woher ein Tarantino teilweise seine Ideen her hat der sollte sich Zeit für diesen grandiosen Western nehmen.
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