Die 20 besten Filme im Mai 2012

Berliner ohne Füllung

Sherlock Holmes Kritik

Bewertung - 3.0 Sternen

Von: StefKev aus Brühl Avatar Bild

  • 83
  • 13

18. Februar 2010

Man kommt nicht umhin, ein par Worte über den Trailer zu schreiben: Der war schnell geschnitten, effektgeladen und verhieß einen spannenden, actionreichen Film mit einer feinen Prise Erotik und Humor und nichts weniger als eine Neu-Interpretation einer allzu bekannt erscheinenden Figur in einer unterhaltsamen Buddy-Konstellation mit dem integren Dr. Watson. Wer sich daraufhin zum Kinobesuch hat verleiten lassen, muss allerdings leider feststellen, dass der Film nicht sehr viel mehr zu bieten hat, als im Trailer bereits gezeigt wurde. Vielmehr wurden sogar aus unerfindlichen Gründen einige dort verwendete Szenen anscheinend kurzfristig aus dem fertigen Film herausgeschnitten. Das ist dann so, als beiße man voll Heißhunger in einen leckeren Berliner, nur um festzustellen, dass irgendjemand die Füllung vergessen hat. 'Sherlock Holmes' ist ein Film für Leute, die sich gerne mal längere Strecken unverständlich wirkenden Films anschauen, nur um dann in ca. 60 Sekunden alles erklärt zu bekommen, was sie vorher gesehen haben. Und während man noch über die Plausibilität und Glaubwürdigkeit nachgrübelt, geht es auch schon munter weiter. Es war sicherlich keine glückliche Idee, eine derart mystisch-mysteriös verschwurbelte Story als Aufhänger zu wählen. Zudem langweilt die Aneinanderreihung tumber Prügelszenen, die hier mit Action verwechselt werden, auf die Dauer doch etwas. Die neue Konstellation Holmes/Watson ist zwar durchaus interessant und amüsant, auch wenn sie etwas steif und oberflächlich bleibt - was dies allerdings mit den litererarischen Figuren zu tun haben soll, diese Antwort bleibt der Film schuldig. Jedenfalls wäre er um keinen Deut besser oder schlüssiger, wenn man die bekannten Namen weggelassen hätte. Bedauernswert ist vor allem Rachel McAdams, deren Rolle der Irene Adler massiv zusammengestutzt wurde, so dass sie nur noch als blasses, ständig in Gefahr schwebendes armes Frauenzimmer fungiert, jedoch kaum eigene Raffinesse zeigen darf. Wer sich z.B. fragt, warum der mit Wein betäubte Holmes am nächsten Morgen splitterfasernackt und ans Bett gefesselt erwacht, der sollte wissen, dass Regisseur Guy Ritchie ihm hier eine komplette Verführungs-Szene vorenthalten hat. Ein kleiner Schnitt, der die jetzt gewählte Variante recht unlogisch und unerklärt dastehen lässt und Rachel McAdams mal so eben ihre Schlüssel-Szene geklaut hat, was ihre Rolle - wie oben beschrieben - massiv beschädigt. Überhaupt beweist Ritchie, was Schnitte und Inszenierung angeht, nicht immer ein glückliches Händchen. Er mutet dem Zuschauer schon einiges an Phantasie und Kombinationsgabe zu, um der auch nach ihrer Auflösung noch recht unklaren und hanebüchenen Story folgen zu können. Außerdem wurde lange schon nicht mehr derart dreist auf eine mögliche Fortsetzung geschielt, die allerdings nicht wirklich nötig ist.

Über den Kritiker: StefKev

Geliehene Titel: 88

Lieblingsschauspieler: Bruce Willis

Lieblingsregisseur: Steven Spielberg