Die 20 besten Filme im Mai 2012

Süss, skuril und sehr französisch

Science of Sleep - Anleitung zum Träumen Kritik

Bewertung - 4.0 Sternen

Von: Taka Avatar Bild

  • 0
  • 0

21. Januar 2012

Träume in Filmen überzeugend rüberzubringen ist eine schwierige Angelegenheit. Wahrscheinlich weil jeder Mensch anders träumt. Sei es die Art wie detailliert man sich an seine Träume erinnert, wie abstrakt oder realistisch man träumt oder ob man seine Träume beeinflussen kann.

Die Schwierigkeit besteht also darin, einer heterogenen Masse an Zuschauern das Gefühl zu geben einen Traum zu sehen bzw. dabei zuzusehen wie sich der Protagonist innerhalb eines Traumes bewegt, ohne dabei jedoch die Grundzüge eines Traums in all seinen Facetten zu imitieren.

In Michel Gondry’s verspielten Liebesgeschichte „Science of Sleep“, werden Träume auf eine bestimmte Weise dargestellt, die es dem Zuschauer möglich macht sie als solche zu erkennen: Die Träume von Hauptfigur Stéphane (sympathisch-infantil: Gael García Bernal) wirken optisch wie selbstgebastelt und vermischen Elemente seiner Realität mit seiner Fantasie. Auch wenn in der Realität wohl keiner so träumt wie Stéphane schafft es Gondry durch visuelle Reize (Pappe und Bastelwerk), wiederkehrende Figuren aus Stéphanes Welt, sowie schnelle Schnitte und Szenenwechsel die Traumwelt des Träumers überzeugend rüberzubringen. Man ist sich selten unklar ob Stéphane gerade träumt oder wacht, und das ist bei einem Film der die Realität mit dem Traum so stark vermischt, eine besondere Leistung.

Die zarte Liebesgeschichte zwischen Stéphane und seiner Nachbarin Stéphanie (bezaubernd: Charlotte Gainsbourg) überzeugt durch die wunderbare Dynamik die beide Figuren miteinander entwickeln und wirkt trotz surrealer Momente recht bodenständig und natürlich.

Auch die Nebenrollen fallen positiv auf, weil es nur eine überschaubare Anzahl von Figuren gibt welche in Stéphanes Träumen in unterschiedlichen Rollen wiederkehren und so verschiedene Facetten von Stéphanes Alltag aufzeigen.

Alles in allem macht es einfach Spaß und gute Laune sich den Film anzugucken und in den stellenweisen skurrilen Szenen zu verlieren. Alle Beteiligten haben offensichtlich großen Spaß gehabt, was sich merklich auf den Film und somit auf den Zuschauer überträgt.

Negativ aufgefallen sind einige dissonante Momente die durch eine etwas zu „blumige“ Sprache einiger Figuren den kindlichen Grundton des Films stören und unpassend wirken. Des Weiteren werden in der synchronisieren Fassung die Sprachbarrieren der Figuren und die dadurch entstehenden Probleme nicht ganz deutlich. Ein hohe Zahl von Untertiteln lässt den Zuschauer zwar alles verstehen, vermittelt aber nicht denselben emotionalen Effekt den der schnelle Sprachenwechsel und die stellenweise 2-sprachigen Dialoge im Original haben.

Wer mit Filmen wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder „Vergiss mein nicht!“ etwas anfangen kann, wird auch bei Science of Sleep“ seinen Spaß haben.

Die Skurrilität und kindlich-anmutende Darstellung ist womöglich nicht jedermanns Sache, wer sich jedoch darauf einlassen kann wird einen schönen Filmabend haben und sich aufs Träumen freuen.

Über den Kritiker: Taka

Geliehene Titel: 10

Mehr Kritiken von Taka