Ein starkes Regiedebut!
Nach jacker
(13 Kritiken)
, 08. Jun 2013
Entweder hat sich jeder Pusher dieser Welt seit dem Produktionsjahr dieses Films (1996) ständig PUSHER angeschaut um seine Körpersprache anzupassen, oder Kim Bodnia ist mit jeder Zelle seiner Haut, mit jedem Blick, mit jeder Geste in Refn's Debut-Spielfilm der perfekte Pusher. Da sitzt alles. Die dauerhaft präsente, leichte Anspannung. Der straighte Gang, immer von einem Mindestmaß von Paranoia im Nacken angetrieben. Die Haltung, die Art wie er sich umsieht. Die offensiv unauffälligen Verhaltensweisen. Einfach alles. Kim Bodnia verdient hier nichts anderes als eine glatte Höchstpunktzahl für die Leistung die er abliefert! Und auch abseits seiner Darbietung macht Refn mit PUSHER das meiste richtig: Fast dokumentarisch und dadurch auch relativ wertungsfrei, bekommen wir einen kurzen - um genau zu sein genau einwöchigen - Einblick in die verrohte, dreckige Welt der dunklen Hinterzimmer, der Junkies, der Gewalt und der abgef*#+ten Existenzen. Graue, karge Atmosphäre, abgef#*%te Stripclubs, spartanisch eingerichtete Wohnungen. Refn hat sich laut eigener Aussage einige Wochen in besagte Kreise begeben um den Blick für die authentische Darstellung des Millieus zu schärfen, um eine Ahnung von den Gedanken und Gefühlen der hier gezeigten Menschen zu bekommen. Gut so, denn das Resultat fühlt sich richtig und realitätsnah an. Verrohter Geist, Leben in den Tag, Nasen ziehen, Drugs pushen. 'Was brauchst du? Pillen, Speed, Koks, Heroin? Ich mache alles klar!' Nichts an dieser Aussage und dem zugehörigen Lebenstil ist cool. Und PUSHER begeht glücklicherweise nicht den fatalen Fehler, uns dieses Leben eben so verkaufen zu wollen. Denn wir begleiten Frank wie ein beobachtender Zeuge hinter der rechten Schulter. Sehen ihm zu - Frank, einem Typen, der im Jogginganzug und fetten Hoodies auf den Straßen unterwegs ist und tickt, drei Stunden in die Zukunft denkt und zu sehr mit abgestumpften Nonsens-Gesprächen beschäftigt ist, um den Blick auf das Wesentliche zu behalten. Ein kleiner Fisch, der letzte in der langen Kette. Und irgendwann läuft es für Frank nicht mehr so recht. Gar nicht mehr. Von da an beginnt der rasante Abstieg. Kann PUSHER anfangs überwiegend durch authentische Atmosphäre überzeugen, so schnürt sich nach besagtem Wendepunkt mehr und mehr ein Strick um die Kehle. Um Frank's und um unsere. Denn Refn schafft hier einen interessanten Spagat. So sehr man Frank für das was er tut, was er ist, was er darstellt auch hassen mag, man entwickelt dennoch ein gewisses Mitgefühl und eine gewisse Bindung zu seiner Figur. Ich zumindest konnte mich nicht recht dazu durchringen ihm den völligen Untergang zu wünschen. Denn es fühlt sich nicht fair an ihn ans offene Messer zu liefern. Eigentlich wollte er doch nur seine Ruhe, seinen Schnaps und vielleicht irgendwann mal die kleine Vic an seiner Seite. Doch der Strudel beschleunigt und lässt nicht mehr los. Berufsrisiko? Pech? Gerechte Strafe? 'When a heroine Deal goes wrong, the pusher has to get the money, otherwise he pays...' Abschreckendes Portrait eine Kleinganoven, dem die Dinge über den Kopf wachsen - hart, kühl, ungeschönt!
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