"Lieber Gott, ..."
Nach Filmdoktor
(46 Kritiken)
aus Eichstätt
, 07. Mär 2011
[Hoch bewerteter Kritikenschreiber]
[Hoch bewerteter Kritikenschreiber]
... mit diesen Worten beginnt Oskar seine täglichen Briefe an Gott, die anschließend von Rosa (der Dame in Rosa) mit einem Ballon in den Himmel befördert werden. Dass Oskar diese Briefe schreibt, ist keineswegs selbstverständlich, denn zuerst begegnet er Rosa, die ihn dazu auffordert, mit dem skeptischen Satz: 'Du nicht auch noch!' Gott sei genauso wie der Weihnachtsmann doch von den Erwachsenen nur erfunden, um Kinder zu vertrösten. Rosa hält dagegen, dass es den Weihnachtsmann sicher nicht gebe, aber Gott sich als umso wirklicher erweise, je mehr man mit ihm rede und man könne ihn auch um etwas bitten - eine Bitte pro Tag. Also lässt sich Oskar auf das Briefe schreiben ein und findet Gefallen daran, zumal er nicht von normalen Tagen berichtet, sondern immer gleich von einem Lebensjahrzehnt. Denn jeder der letzten Tage des Jahres steht für Oskar für zehn Jahre seines Lebens. Diese Idee geht auf eine alte Legende zurück, von der ihm ebenfalls Rosa erzählt hat. Und so lebt Oskar, der die Klinik kaum verlässt, ein ganzes langes Leben mit Pubertät, Erwachsensein und Alter - und der Zuschauer mit ihm. Die zwölf letzten Kalenderjahre geben als Blätter eines Abreißkalenders die Struktur des Filmes vor.
Eric-Emmanuel Schmitt hat seinen Erfolgsroman (Oskar und die Dame in Rosa. Erzählung) selbst verfilmt und findet poetische Bilder für die unkonventionelle Freundschaft des sterbenskranken zehnjährigen Oskars mit der resoluten Rosa, die einmal eine Catcherin mit dem Namen 'Die Würgerin des Languedoc' gewesen ist. Schmitt sagt (in einem in den Extras enthaltenen Interview), dass er nicht einfach die geschriebenen Worte umgesetzt, sondern die Gefühle und Gedanken der Geschichte für den Film neu geschaffen habe. Insofern ergeben sich zwar Unterschiede zwischen Buch und Film, aber der Geist der Vorlage ist sehr gut in einem anderen Medium präsent. Der Ton ist durchgängig märchenhaft und die Gespräche kreisen im besten Sinne des Wortes um Gott und die Welt, ohne Anspruch auf eine reale Umsetzung der Nöte eines schwerkranken Kindes zu erheben. Vielmehr handelt es sich um ein poetisches Gedankenspiel und den Versuch, die Fragen nach Tod und Leben, Sterben und Glück unbefangen und mit einer schwebenden Leichtigkeit zu präsentieren. Die Dramaturgie hängt zwar manches Mal etwas durch und einige Szenen haben etwas zuviel Zuckerguss erhalten, aber alles in allem ist ein ansprechender Film entstanden, der die schweren Fragen ernsthaft angeht und dabei bis zum Schluss humorvoll und optimistisch bleibt. Nicht zuletzt sorgen die Darstellungen des Catchens für jede Menge Spaß und auch die anderen Kinder und das Klinikpersonal sind mit einem Augenzwinkern gezeichnet. Es ist nicht wichtig, ob es Oskar und Rosa so wirklich geben könnte, denn weder Buch noch Film wollen Realismus abbilden. Man muss die beiden einfach gern haben und weiß, dass auch ein kurzes Leben ein erfülltes Leben sein kann. Küsschen Oskar!
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