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Die Wahrheit über Sherlock Holmes

Genie & Schnauze - Home Edition Kritik

Bewertung - 5.0 Sternen

Von: ein mitglied aus München Avatar Bild

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29. August 2008

London, England, Ende des 18. Jahrhunderts: Meisterdetektiv Sherlock Holmes ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms und seiner Karriere. Gefolgt von seinem treuen Begleiter und Biografen Dr. John Watson löst er elegant und souverän die kompliziertesten Kriminalfälle und nimmt dafür huldvoll die Bewunderung der Leserschaft seiner Abenteuer und der Presse entgegen.

Was jedoch niemand weiss: Sherlock Holmes heisst im bürgerlichen Leben Reginald Kincaid und ist alles andere als ein Superhirn. Der in Vergessenheit geratene drittklassige Bühnendschauspieler mit Hang zu berauschenden Getränken interessiert sich mehr für Frauen und Glückspiele als für Verbrecher, während in Wahrheit der bescheidene und stets im Hintergrund agierende Watson für Angst und Schrecken in der Unterwelt sorgt.

Der enorme Erfolg seiner Bücher um die von ihm erfundene pfeiferauchende Spürnase zwang Watson dazu, seinen Verlegern und der Öffentlichkeit einen leibhaftigen Holmes zu präsentieren. Also engagierte er Kincaid, der fortan die Rolle des Helden spielen darf und den Ruhm für Watsons Bemühungen bei der Verbrechensaufklärung einheimst. Natürlich kann die Zusammenarbeit zwischen dem vergnügungssüchtigen Trottel und dem genialen Denker auf Dauer nicht gutgehen. Man trennt sich im heftigen Streit.

Da Watsons Bemühungen, aus dem Schatten seiner Romanfigur herauszutreten, kläglich scheitern, und Kincaid ohne die Führung des Doktors alles andere als eine heroische Gestalt abgibt, raufen sich beide noch einmal für einen letzten grossen Auftrag zusammen. Dabei ahnen sie nicht, dass dieser Fall zur Wende in ihrer Partnerschaft führen wird, zumal ein gewisser Professor Moriarty seine Hände im Spiel hat...

'Without A Clue' (dt. 'Genie und Schnauze') aus dem Jahr 1988 ist eine herrlich freche Veralberung des Sherlock-Holmes-Mythos. Regisseur Thom Eberhardt beweist viel Fingerspitzengefühl für das richtige Timing und verlässt sich ansonsten - völlig zur Recht - auf eine Riege glänzend gelaunter Darsteller, allen voran natürlich Sir Michael Caine als Kincaid/Holmes und Sir Ben Kingsley als Watson. Schon die Glanzleistung dieser beiden Vollblut-Schauspieler ist ein guter Grund, sich den Streifen wieder und wieder anzusehen. Offenbar hatten die beiden Mimen enorm viel Spass während der Dreharbeiten und genossen es sichtlich, sich ausgiebig von ihrer komischen Seite zu präsentieren, und diesen Spass übertrugen sie unvermindert auf die Leinwand.

Sowohl die übrige Besetzung (darunter so bekannte Namen wie Jeffrey Jones, Nigel Davenport und Paul Freeman) als auch das stimmige Drehbuch und die liebevolle Ausstattung sorgen dafür, dass der Film nicht zu einer platten Aneinanderreihung von Gags oder zu einer ermüdenden Caine/Kingsley-Show verkommt. Vielmehr erweist sich 'Without A Clue' als eine rundum gelungene Komödie, die in ihren besten Momenten sogar an die Genialität der Werke von Billy Wilder erinnert.

Der Film verzichtet wohltuend auf klamaukhaften Slapstick und bezieht seinen Humor vornehmlich aus den Konflikten, die sich aus dem Zusammentreffen zweier so unterschiedlicher Charaktere wie Watson und Kincaid zwangsläufig ergeben. Gleichzeitig spielt er gekonnt mit den Widersprüchen zwischen den edlen Eigenschaften, die Watson seinem Helden Holmes andichtet, und denen Kincaid in keinster Weise entspricht. Als Watson jedoch unter mysteriösen Umständen verschwindet, schlägt für Kincaid die Stunde der Bewährung...

Wunderbar, dass dieses kleine Film-Juwel nun endlich auf DVD erscheint.