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Gattaca Kritik
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19. Juli 2008
der film zeichnet sich durch eine sehr klassische form einer humanistischen kritik an getechnologie aus, solche filme wurden & anscheinend werden immer noch gedreht, Gattaca ist mittlerereweile 10 jahre alt, aber immerhin noch von 1997 & nicht aus den anfängen der 1990er
an zwei aufhängern ist die story festgemacht,
erstens die heute schon technisch machbare vorgeburtliche gentechnologische kontrolle & die daraus folgende schon vor der zeugung stattfindende selektion, wobei man sich über die interpretation der gentechnologischen daten noch sehr gut streiten kann
zweitens, die in der pathologie & kriminalistik heute schon angewendete gentechnologische untersuchung der spuren
im film sind beide aspekte miteinander verknüpft leider in einer allzu penetrant moralischen story, die ich schon allzu oft gesehen habe, würde der film aus den 1950ern stammen, so würde ich mir das gefallen lassen, da wäre es modern gewesen mit dem zeigefinger zu warnen in einer sonst ziemlich plakativen also an der oberfläche bleibenden schilderung sowohl der charaktere wie auch deren motivationen
& auch das horrormärchen von einer anscheinend diktatorisch regierierten welt kennen wir spätestens aus Aldous Huxleys roman 'Schöne Neue Welt', welcher aus dem jahr 1932 stammend wesentlich echter an der realität der damaligen welt mit dem aufkeimenden nationalsozialismus orientiert ist als die künstliche welt die in 'Gattaca' vorkommt & sich eher an eingebildeten realitäten orientiert als an den tatsächlichen
in dieser welt wird anscheinend die totalle kritiklose akzeptanz der obrigkeiten gentechnisch gleich mit-selektiert (wie schaffen die das bloss?), die staatliche form wird in diesem film nicht erwähnt, ich denke aber in einer funktionierenden demokratie von heute, die an überinformation, überfütterung & überorientierung lustvoll leidet hat anarchie mehr chancen an die macht zu kommen als eine selektierende diktatur
immerhin bietet der film paar lichtblicke, was ihn nicht komplett belanglos macht
Jude Laws porträtierung des original Jerome Eugene Morrow ist hier insbesondere zu erwähnen, er verleiht dem charakter eine echte motivation, die komplett nachvollziehbar ist
die kurze szene am ende des films, die zwischen Vincent-Jerome & seinem untersuchenden arzt, der seinen eigenen sohn erwähnt stattfindet bringt einen hauch an echter menschlichkeit hinein ohne viel pathos & gefühlsdusselei & dem film hätte es gut getan mehr davon drin zu haben
eine miniszene ziemlich am anfang des films, die die diskriminierung der genetisch 'unperfekten' schmerzhaft deutlich macht, wir fühlen für Vincent mit als das eiserne tor des kindergartens für ihn geschlossen wird mit der durchaus nachvollziehbaren & heute schon versicherungstechnisch üblichen begründung des finanziell nicht deckbaren genetisch bedingten risikos
gäb's mehr solcher szenen in diesem film so wäre er eher gesellschafts- & moral-kritisch als 'gentechnologie'-kritisch geworden
ansonsten
sind einige der locations schön gewählt & gut gefilmt, auch wenn dadurch die sterilität dieser gesellschaft nur stilistisch & leider gar nicht thematisch vorkommt
die musik von Michael Nyman ist so zurückhaltend, dass man sie gar nicht merkt & auch kaum als Nyman erkennt
Ethan Hawke kommt mit der hauptrolle nicht sonderlich zurecht & in mancher szene scheint er lieber gut aussehen zu wollen als konsequent & ehrgeizig das von Vincent verfolgte ziel darzustellen
Uma Thurman bewegt sich wie üblich lieber so wenig wie möglich sowohl in gestik wie auch mimik
Gore Vidal kann sich kaum mehr bewegen vor lauter altersaufgedunsenheit, für ihn war es wohl vor allem eine verpflichtung mitzuspielen
des films inhalt kann sich nicht so richtig entscheiden ob es ein spannender krimi, ein rivalitätsdrama zwischen zwei unterschiedlichen brüdern oder ein plädoyer für die genialität der unperfektion des lebens sein soll, keines der themen überzeugt, jedes wird leider nur gestreift, viele belanglose szenen sind zu lang, andere, die tiefe bringen würden sind nicht da - wie diese eine zB., in der Jude Law, der nur ein nebendarsteller ist Ethan Hawke mit paar blicken & gesten an die wand spielt als er ihm & uns zuschauern deutlich die motivation Jerome Eugenes macht in form einer silbernen medalie, die nie eine goldene war & nie mehr eine sein wird ohne Vincent
wäre der film so wie diese szene gewesen, wäre er grandions, echt, bewegend, jetzt ist er leider nur nett & ganz gut, vielleicht muss man schon dankbar sein, dass er nicht allzusehr in kitsch ausartet, sondern nur in ein wenig moralischem pathos dümpelt

