So sollte Kino sein: Von der Magie des Fantastischen
Falsches Spiel mit Roger Rabbit Kritik
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14. Mai 2011
Die 40er Jahre. Aufruhr in Toon-Stadt: Zeichentrick-Hase Roger soll den Filmproduzenten Marvin Acme ermordet haben. Aus Eifersucht. Nun will ihm Richter Doom (Christopher Lloyd) und seine Wiesel an den Kragen mit Terpentin/Aceton/Benzol, der Suppe, die einzige Möglichkeit, einen Toon auszulöschen. Verzweifelt wendet sich Roger an den abgehalfterten Privatschnüffler Eddie Valiant (Bob Hoskins). Der ist gar nicht gut auf Toons zu sprechen und obendrein verantwortlich für die pikanten Bilder von Acme und Rogers Frau Jessica. Nur widerwillig entscheidet sich Valiant, dem überdrehten Karnickel zu helfen und aufzuklären, wer Roger Rabbit reingelegt hat
Who Framed Roger Rabbit (Originaltitel) ist ein Glanzstück des Effekt-Kinos. Nie zuvor wurden Zeichentrick-Figuren so perfekt in Real-Film integriert. Virtuos wird mit den sich daraus ergebenden Möglichkeiten gespielt: wir sehen zum Beispiel, wie Cartoons wirklich gedreht werden oder erleben Donald und Daffy Duck bei einer explosiven Comedy-Nummer in einer nur von Menschen besuchten Bar in denen Pinguine kellnern und ein riesiger Gorilla den Türsteher gibt. Dabei verliert der Film nie die Balance zwischen spannender Handlung, der überaus kurzweiligen Interaktion seiner völlig gegensätzlichen Hauptdarsteller und den unzähligen, irrwitzigen Einfällen, die das Aufheben der Grenzen zwischen Realität und Zeichentrick möglich macht. Gerade deshalb bleibt Falsches Spiel mit Roger Rabbit glaubhaft bis zum Schluss und man hat schnell vergessen, dass ein Großteil der Akteure gar nicht real ist.
Genau so sollte Kino sein. Eine originelle Idee, technisch brillant und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, eingebetet in eine kurzweilige, spannende Krimi-Komödie mit witzigen Dialogen und überraschenden Wendungen. Daher kann dieser Film in einer Ära der dank Computertechnik unbegrenzten Möglichkeiten noch immer mühelos jung und alt begeistern, wirkt obwohl 1988 entstanden - keineswegs technisch überholt sondern herrlich zeitlos.
Falsches Spiel mit Roger Rabbit ist übrigens kein uneingeschränkter Kinderfilm. Im Vergleich zum bunt-poppigen Space Jam oder einem Dauer-Klamauk wie Looney Tunes: Back in Action wirkt er recht erwachsen und hat seine ernsten, dunkleren Momente. Die FSK-12-Freigabe kommt also nicht von ungefähr. Für die ganz Kleinen ist er sicherlich ein bisschen zu viel Krimi.
Ich persönlich liebe diesen Film. Er versprüht wie Robert Zemeckis Zurück in die Zukunft diese unnachahmliche Magie des Fantastischen, die Kino zu dem macht, was es ist. Nicht umsonst wurde Falsches Spiel mit Roger Rabbit dreifach Oscar-prämiert, zudem gabs drei weitere Oscar-Nominierungen und einen Special Achievement Award.

