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Mitgliederkritik

Es war einmal in Amerika - Doppel-DVD Kritik

Bewertung - 4.0 Sternen

Von: ein mitglied aus DE Avatar Bild

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19. Juli 2008

was bis heute von vielen Kritikern und Zuschauern als skandalös angesehen wird.

Zehn(!) Jahre Vorbereitung und nochmal zwei Jahre für die Fertigstellung - dennoch blieb "Es war einmal in Amerika" auch kommerziell hinter den Erwartungen zurück.

Warum begeistern sich dann hier soviele für diesen Film, der sogar vielfach als Meisterwerk angesehen wird?

Es gab ZWEI Versionen dieses Films; die von Leone selbst verfasste Originalversion mit einer Laufzeit von knapp vier Stunden, die auch Gottseidank in dieser DVD-Fassung vorliegt.

Und die zweite Fassung?

Haben wir hier in Europa weder seinerzeit im Kino noch heutzutage im TV oder auf VHS/DVD zu Gesicht bekommen, sondern erschien bei den Kinoaufführungen ausschließlich in den USA.

Aufgrund der zeitlich verschachtelten Erzählweise sah WARNER das US-amerikanische Kinopublikum überfordert.

Die Studioverantwortlichen siedelten ihre eigenen Landsleute kulturell unterhalb den europäischen Kinogängern an und haben daher eine drastisch gekürzte Version von knapp 180 Minuten verbrochen.

Weiter wurde die Version, wie wir sie kennen, noch weiter damit vermurkst, daß WARNER die anspruchsvolle Erzählstruktur Leones einer linearen Filmkonstruktion opferten.

Und es sollte für Sergio Leone noch dicker kommen: Die gekürzte Studiofassung wurde unglaublicherweise OHNE(!) die Musik von Ennio Morricone in den USA veröffentlicht.

Original-Lauflänge um ca 25% gekürzt, strukturell verschnitten und ohne Morricones Musik: Wen wundert es da noch, daß dieser verstümnmelte Quark in den USA bei Kritikern, Zuschauern und den Academy Awards durchrasselte?

Wer das alles noch nicht wusste, der kann dies bei dem auf dieser DVD enthaltenen Bonusmaterial nachholen.

Allerdings führt dessen Umfang und Ausstattung zur Abwertung, da es für eine sog. "Special Collector's Edition" zu wenig ist.

Das Photoalbum verdient mit einer stattlichen Anzahl von knapp 100 Photos auch diesen Namen, jedoch sind diese so futzelig klein eingestellt, daß es Mühe macht, sie sogar auf einem großen Fernseher zu erkennen.

Viel schwerer wiegt aber, daß die enthaltene und nicht mehr taufrische Filmdokumentation 'Once upon a time: Sergio Leone' von 1999 nur als Auszug von zwanzig Minuten vorliegt.

WARNER scheint diesen Film wirklich zu hassen.

Ambitionierter ist man dagegen hierorts in Deutschland gewesen und synchronisierte die DVD-Version noch einmal neu.

Zunächst einmal muss man dieses Unterfangen grundsätzlich honorieren, da es als Aufwertung gedacht war - warum sollte man sich sonst erneut an vier Stunden bereits sehr gut synchronisiertes Filmmaterial heranwagen?

Diese Neu-Synchronisation ist akkustisch frischer und auch etwas lebendiger; allerdings nimmt sie dem Film einiges an Atmosphäre, die die Ur-Synchronisation ihm verliehen hatte.

Liebhaber und Fans dieses epischen Meisterwerks sollten sich daher diese DVD-Fassung, dessen Bild und Ton tadellos ist, vorsichtshalber erst einmal nur ausleihen.