Die 20 besten Filme im Mai 2012

Zeitnah wirkende Vergangenheit

Der Pianist Kritik

Bewertung - 5.0 Sternen

Von: ein mitglied aus Tuvalu Avatar Bild

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19. Juli 2008

Geradezu 'klassisch' wird die Geschichte des Warschauer Ghettos in Szene gesetzt, als wäre hier ein Shakespeare-Stück verfilmt worden, und doch: mir erschien bei aller gekonnten Filmdramaturgie die Darstellung der Ereignisse historisch korrekt. Verblüffend dabei für mich: durch die offensichtlich geschickte Wahl der technischen Mittel und durch den gewählten Erzählblickwinkel gelingt es den Filmemachern, die Geschichte des Pianisten, seiner Familie und seines Umfeldes so darzustellen, als wäre sie grade eben erst geschehen.

Ein nur wenige Sekunden dauerndes Bild hat mich dabei besonders tief berührt: ein verlassenes, kleines Mädchen mit nichts als einem Vogelkäfig in der Hand, inmitten all der anderen, verzweifelten Menschen, die auf ihren Abtransport ins KZ warten müssen - in einem Bild die ganze hilflose Not der verfolgten Menschen ...

Und immer die Frage: wie schwierig es doch offenbar war, den deutschen Nazi-Wahnsinn, und die davon besessenen Menschen als real und tödlich zu erfassen, um sich dann endlich über seine eigenenen Moralvorstellungen hinwegzusetzen, und sich gemeinsam mit aller Macht und (auch Waffen-)Gewalt zu wehren.