Die 20 besten Filme im Mai 2012

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Alles ist erleuchtet Kritik

Bewertung - 4.0 Sternen

Von: ein mitglied aus DE Avatar Bild

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19. Juli 2008

In den ersten paar Minuten dachte ich: "Was für ein Schrott!". Zumal ich das Buch zuerst gelesen hatte.

Dann am Ende des Films dachte ich: "Oh, ganz nett, ja wirklich, sehr schön".

Dann in den darauf kommenden Tagen: "Wow!".

Und danach in den darauf kommendenden Wochen: "Hey, warum muss ich immer wieder an den Film denken? Wieso lässt er mich gar nicht mehr los?!"

Das ist so eine Art von Film, der nachhaltig beeindruckt, und manche Szenen gehen einem gar nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder muss man an bestimmte Dialoge denken, an bestimmte Szenen, an bestimmte Personen.

Für diejenigen die das Buch zuerst gelesen haben, die werden erstmal verwirrt und irritiert sein über Elijah Wood und wie er seine Rolle spielt, da die Figur von Jonathan in dem Buch nicht so debil und weltfremd dargestellt ist. Aber trotzdem ... man kriegt Wood nicht mehr aus dem Kopf. Er bleibt nachhaltig und intensiv in Erinnerung. Vorallem schafft er es ganz toll, einen Jugendlichen im verzweifelten Sammlerwahn darzustellen. Suche nach Identität, Identifikation über die Ahnen etc.

Da Jonathan Safran Foer beim Drehbuchschreiben mitbeteiligt war, glaube ich daß er diese Abweichung vom Buch-Jonathan und Film-Jonathan gewollt hat, also ist es im Nachhinein ok, das Elijah Wood so "anders" ist.

Absolutes Highlight ist Alex. Er verkörpert und stellt die Tragik eines jungen, ehrgeizigen Menschen dar, der gefangen ist in der Trostlosigkeit. Wie wunderschön wäre es, Eugen Hütz öfters zu sehen. Als kleiner Tip: Hütz ist Mitglied der Band Gogol Bordello, die hervorragende Musik macht. Rock/Alternativ gemischt mit Zigeunerelemente. Unvergesslich ist sein Auftritt mit Madonna bei Live Earth. Ich freu mich so sehr, daß Hollywood auf diesen ukrainischen Geheimtip aufmerksam geworden ist. Mehr von Eugen Hütz!!!

(Das Lied "Start Wearing Purple" von Gogol Bordello im Film war wochenlang ein Ohrwurm und gar nicht mehr aus meinem Kopf zu kriegen!).

Der Großvater ist eine Klasse für sich. Er ist die reinste Verkörperung von Authentizität, und man kauft ihm seine Rolle absolut ab. Wirklich toll.

Und der Hund Sammy Davis Jr. Jr. ... perfekt! Der geheime kleine Superstar in diesem Film. Die Szene am Ende wo der Hund am Grab steht und verloren hineinstarrt ... wieso gibt es keine Oscars für Tiere?!

Das wirklich "hochwertige" (wie Alex es sagen würde :-) an diesem Film, ist die Mimik der Schauspieler. Es bereitet einem eine Gänsehaut, wenn man sich näher auf den Film einlässt, und wirklich die Gesichtsmimik beobachtet. Vor allem Alex, der Großvater und Lista, die Dame aus dem Sonnenblumenfeld. Es gibt sehr sehr wenige Schauspieler heutzutage, besonders in der Hollywood Liga, die SO authentisch und intensiv und ehrlich spielen. Macht Mut und Freude darauf, sich vielleicht mehr "fremdländische" Produktionen anzusehen.

Vor allem weckt der Film ein Hunger darauf, sich mehr Filme von dem Regisseur Liev Schreiber anzusehen. Denn was er hier geschafft hat, eine kleine Perle zu fabrizieren, die absolut und vollkommen unter die Haut geht, das ist beeindruckend und lässt einen "mehr, mehr, mehr!" rufen.

Er hat sich ja an "Die Liebe in Zeiten der Cholera" von Marquez herangewagt, und ich kann es kaum abwarten zu sehen, wie er das Buch umgesetzt hat.

Als Fazit bleibt: unbedingt ansehen. Auch wenn einen die Thematik nicht besonders interessiert: Holocaust, Ahnenforschung, Ukraine ... auch dann wird einen der Film berühren und nachhaltig beschäftigen. Er schafft es einfach, einen bestimmten Teil in der Seele des Zuschauers zu berühren.

1* für: Alex, Großvater, Hund

1* für: die Musik

1* für: die Kamera und Optik

1* für: eine unglaubliche Mischung aus Subtilität, Humor und Tragik

(Als kleiner Tip: Wer die Dialoge und Alex's Sprache lustig fand: unbedingt das Buch lesen!! Dort gibt's viel mehr davon!)