Mitgliederkritik
Nach ein mitglied
aus DE
, 19. Jul 2008
[Hoch bewerteter Kritikenschreiber]
Lehnen sie sich entspannt zurück und stellen sie sich etwas vor. Man nehme: Die späten Sechziger Jahre. Ein junger Mann, Jude(Jim Sturgess) fährt mit dem Schiff von Liverpool nach Amerika. Er will seinen Vater kennen lernen, der als GI in England seine Mutter geschwängert hat. Nach dem eher gefühlsarmen Treffen, schließt Jude Freundschaft mit Max(Joe Anderson) und verliebt sich in dessen Schwester Lucy(Evan Rachel Wood). Ohne Visum bleibt Jude in Amerika, zieht mit Lucy und Max nach New York und taucht dort in das Stadtleben ein.
Seine Zimmerwirtin Sadie erkennen wir zweifelsfrei als Janis Joplin. Sie ist in ihren Gittaristen Martin Luther verknallt, der Jimi Hendrix wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Lucy schließt sich der Friedensbewegung an und Max muss in den Vietnamkrieg. In den Wirren der Aufstände verlieren sich Jude und Lucy nach und nach aus den Augen und ein Drama beginnt...
Damit aber nicht genug. Stellen sie sich jetzt noch vor, dass diese Handlung mit 33 Beatles-Songs, allesamt neu interpretiert, untermalt ist und zum Teil als Musicalhandlung gespielt wird. Ein Musical, das ziemlich stark an Hair angelehnt ist.
Doch das ist noch nicht das Ende. Zu all diesem Wirrwarr packen wir noch ein paar Originalschauplätze ein, beschäftigen uns mit Marthin Luther Kings Tod und den Studentenunruhen, die Todesopfer forderten. Last, but not least, drehen wir das Beatles Video auf dem Hochhausdach nach und mixen das Ganze mit einem Ausmaß an künstlerischer Freiheit, die so selten in einem Film zu sehen war. Als Extra Bonus verpassen wir U2-Sänger Bono und Joe Cocker zwei Gesangsrollen, die so eindrucksvoll wie kreativ sind.
Wenn sie sich das alles vorstellen könnnen, dann sind sie mitten drin in -Across the universe-. Ich will ehrlich sein: Ich hätte mir das niemals vorstellen können und, hätte mir jemand dieses Script gegeben, ich hätte vermutlich gelacht. Wie kann man die Songs der Pilzköpfe inhaltsgetreu nach Amerika verlegen, in eine Geschichte, die nie passierte und dazu noch Geschichtsfakten einstreuen, ohne dass ein Desaster entsteht?
Das Ergebnis dieses hochexperimentiven Abenteuers, das hat mich jedoch wirklich aus dem Hocker gehauen. Ein Musicalfilm, der keine Sekunde langweilig ist. Die gecoverten Beatles Stücke(glauben sie mir: Ich hasse Coverversionen) sind derart clever und interessant gemischt, dass es eine Freude ist, sie neu zu erleben.
Jim Sturgess, der stimmlich und optisch eine Menge David Cassidy verstrahlt ist brillant, alle Nebenrollen sind genial besetzt und die Musik ist das Herz der Verfilmung. Sollten sie in meinem Alter sein, werden sie fast alle Songs mitsingen können, vielleicht sogar müssen, denn die Musik ist wahrlich magisch. Nur, auf diese Art und Weise haben sie sie noch nie gehört. Ein Erlebnis, dass sie sich nicht entegehen lassen sollten.
Regisseurin Julie Taymor hat sich eine Menge getraut, als sie diese völlig verquere Geschichte auf Film gebannt hat. Mut wird bekanntlich nicht immer belohnt, aber hier ist es der Fall. Tauchen sie ab in die Zeit des Love-Mobils, der Gittarensoli, des Flower-Power und der amerikanischen Widerstandsbewegung gegen den Vietnamkrieg. Und hören sie sich diese Musik an! Verpassen sie das auf gar keinen Fall!
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