Ein völlig neuer Blick auf die Geschichte?
Nach Knuffelbaer
(26 Kritiken)
, 30. Mär 2013
Laut Produktbeschreibung wird nun eine faszinierende Dokumentation präsentiert, welche die Fakten von den Mythen und der Fantasie trennt. All das ergibt einen völlig neuen Blick auf diese 100 Jahre alte Geschichte. Und der Clou, das ganze auch noch in 3D! Nachdem man sich durch die entsetzliche Dokumentation gequält hat, fragt man sich, welche Drogen die Produzenten genommen haben. So viel Schwachfug auf einem Haufen hat die Welt noch nicht erlebt. Doch was ist schon von einer Dokumentation zu erwarten, im Jahre 2011 enstanden, die Interviews mit den letzten Überlebenden der Titanic ankündigt? Übersinnliche Kräfte könnten hier am Werke gewesen sein, ist nämlich bereits vor Jahren die letzte Überlebende gestorben. Gruselfaktor hat die Produktion allemal, denn es ist katastrophal, wie hier mit der Sache umgegangen wird. Der Informationsgehalt ist gleich Null. Es handelt sich lediglich um eine Aneinanderreihung bereits bekannter Tatsachen gepaart mit unzähligen, hanebüchenen Falschaussagen, die die wahre Geschichte ins unermessliche verfälschen. Das Bildmaterial besteht aus sich ständig wiederholenden, altbekannten original Bildern der damaligen Zeit sowie Szenen aus dem Cameron Film und deren Making of. Wobei die Bildqualität gerade beim älteren Filmmaterial stark zu wünschen übrig lässt. Die Mühe, dieses zu bearbeiten, wurde sich nicht gemacht. Darüber hinaus kann von einem 3D-Effekt wahrlich nicht die Rede sein. Generell wirkt die komplette Zusammenstellung sehr lieblos. Die ausgewählten, hinterlegten Musikstücke sind absolut unpassend, viel zu peppig und fröhlich gehalten, auf keinen Fall der Tragik dieses Themas angemessen. Ohne Sinn und Verstand werden Bilder gezeigt, zu denen das Gesprochene schlechtweg nicht passt. So wird z. B. ein Foto von Benjamin Guggenheim gezeigt, während von Thomas Andrews die Rede ist. Um die Dokumentation noch unnötig in die Länge zu ziehen, werden sogar ganze Szenen ein weiteres Mal gezeigt. Zwischendurch werden immer wieder Interviewblocks mit Personen eingeblendet, deren Zusammenhang, in dem sie mit der Titanic stehen, sich nicht erklärt. Äußerungen von willkürlich auf der Straße ausgewählten Passanten wären genauso aussagekräftig gewesen. Zum Abschluss bekommt das Publikum noch einen Einblick in die chaotische Großbaustelle, dem zukünftigen neuen See-Museum in Southampton, welches zum 100. Jahrestag seine Tore öffnen wird. Zu sehen sind Bauschutt, Rigipsplatten, Kabelsalate und rohe Betonfussböden. Da helfen auch die Schilderungen des Bauleiters nicht weiter, der akribisch zu erklären versucht , wo sich später was befinden soll. Nur am Rande werden für Sekundenbruchteile alte Interviewausschnitte von Leonardo DiCaprio, Kate Winslet und Billy Zane dazwischen geschustert, um dem Betrachter den Bezug zum Cameron Film nicht aus den Augen verlieren zu lassen. Letzt endlich scheint diese Dokumentation nur einem Zweck zu dienen, den Film von James Cameron als das non plus ultra darzustellen. So offenbart die Aussage einer Interviewten: ,,Ich glaube genau so wie es der Film von Cameron zeigt, ist es auch wirklich gewesen.'. Dem ist außer einem Kopfschütteln nichts mehr hinzu zufügen. Die Quintessenz der schaurigen 70 Minuten, diese mehr als unwürdige Dokumentation sollte verboten werden. Menschen, die sich bisher gar nicht oder wenig mit den Details beschäftigt haben, erhalten davon ein komplett verzerrtes Bild der Historie.
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